Warum XIRR die einzig ehrliche Renditekennzahl für dein Portfolio sein kann

XIRR (Interner Zinsfuß / geldgewichtete Rendite) berücksichtigt jeden Cashflow zum exakten Datum — inklusive Nachkäufen, Dividenden, Kupons, Steuern und Wechselkursen.

1. Warum einfache Broker-Renditen bei echten Depots scheitern

Das Grundproblem: Die meisten Broker vergleichen in der Depotübersicht lediglich den aktuellen Kurs mit dem durchschnittlichen Einstandskurs. Sobald du jedoch einen Sparplan besparst, Nachkäufe tätigst, Teilverkäufe ausführst oder Dividenden und Anleihen-Kupons auf dein Verrechnungskonto erhältst, beantwortet diese Prozentzahl nicht mehr die Frage: „Wie hoch hat sich mein eingesetztes Kapital pro Jahr verzinst?“

  • Timing wird ignoriert: Ob 10.000 € drei Jahre lang für dich gearbeitet haben oder erst gestern vor einem kleinen Kursanstieg eingezahlt wurden, macht für deinen Kontostand einen gewaltigen Unterschied.
  • Erträge verschwinden vom Radar: Dividenden und Zinscoupons landen auf dem Cash-Konto. Im Depot sieht eine Ausschüttung durch den Dividendenabschlag oft sogar wie ein Kursverlust aus.
  • Währung & Kosten: Ordergebühren, Stückzinsen beim Anleihekauf und die Auf- oder Abwertung von USD und CHF gegenüber dem Euro verändern dein reales Euro-Ergebnis.

2. Die mathematische Formel hinter XIRR (und Excel XINTZINSFUSS)

Die XIRR (Extended Internal Rate of Return, im Deutschen oft Interner Zinsfuß – IZF oder geldgewichtete Rendite / MWR) sucht genau jenen konstanten Jahreszinssatz r, mit dem ein fiktives Tagesgeldkonto exakt dieselben Ein- und Auszahlungen und denselben heutigen Endwert erreicht hätte:

∑ [ CF_i / (1 + r)^((t_i − t_0) / 365) ] = 0

  • CFi (Cashflow): Jede Zahlung mit Vorzeichen aus Sicht deines Geldbeutels: Käufe/Einzahlungen ins Depot sind negativ (−), Verkäufe, Netto-Dividenden, Kupons und der heutige Marktwert am Stichtag sind positiv (+).
  • ti − t0: Exakte Anzahl der Kalendertage seit der ersten Zahlung, geteilt durch 365 Tage (identisch zur Excel-Funktion =XINTZINSFUSS(Werte; Zeitpunkte) bzw. englisch =XIRR(values, dates)).
  • Numerische Lösung: Da die Gleichung für beliebige Zeitpunkte nicht direkt nach r aufgelöst werden kann, bestimmt cashlog.org die Nullstelle iterativ per Newton-Raphson-Verfahren mit einem automatischen Bisektions-Fallback (Intervallhalbierung) für komplexe Zahlungsreihen.

3. Konkretes Zahlenbeispiel: Einfache Rendite vs. TWR (TTWROR) vs. XIRR

Stell dir vor, du kaufst am 01.01.2024 für 10.000 € einen ETF (Kurs 100 €). Bis Ende 2024 steigt der ETF um +20 % auf 120 €. Ermutigt vom Anstieg kaufst du am 01.01.2025 kräftig für weitere 20.000 € nach. Im Jahr 2025 gibt der Markt um −5 % nach; zusätzlich erhältst du am 01.07.2025 eine Ausschüttung von 450 €. Am 31.12.2025 ist dein Bestand 30.400 € wert.

Datum Vorgang Cashflow (Sicht Anleger) Depotwert vor/nach Zahlung
01.01.2024 Erstinvestition (100 Anteile à 100 €) −10.000 € 10.000 €
01.01.2025 Nachkauf nach +20 % Kursanstieg −20.000 € 12.000 € → 32.000 €
01.07.2025 Dividende / Ausschüttung (aufs Konto) +450 € laufender Ertrag
31.12.2025 Bewertung am Stichtag (Endwert) +30.400 € 30.400 €
  • Broker-Kursanzeige (ohne Dividende): Investiert 30.000 €, Endwert 30.400 € → zeigt magere +1,33 % (die 450 € Ausschüttung fehlen).
  • Zeitgewichtete Rendite (TWR / TTWROR): Verknüpft das starke Jahr 2024 (+20 %) und das schwächere Jahr 2025 (inkl. Ausschüttung ca. −3,6 %) unabhängig von der Nachkaufhöhe → rund +15,7 % gesamt (ca. +7,6 % p.a.). Gut für den Vergleich mit dem MSCI World, aber nicht das, was dein Geld verdient hat, weil im starken ersten Jahr nur 10.000 € investiert waren.
  • XIRR (geldgewichtete Jahresrendite in cashlog): Gewichtet die 10.000 € über 2 Jahre, die 20.000 € über 1 Jahr und die 450 € Dividende taggenau → +2,75 % p.a. (+850 € echter Gesamtgewinn auf das durchschnittlich gebundene Kapital).

Merksatz: Nutze TWR, um zu prüfen, wie gut sich ein ETF oder deine Strategie im Vergleich zu einem Index geschlagen hat. Nutze XIRR, um zu sehen, wie stark dein tatsächliches Vermögen pro Jahr gewachsen ist.

4. Wann XIRR in die Irre führen kann (und wie cashlog gegensteuert)

Weil XIRR immer auf ein volles Jahr (365 Tage) hochrechnet, gibt es zwei bekannte Spezialfälle:

  • Sehr kurze Haltedauer: +3 % Kursgewinn innerhalb von 5 Tagen entsprächen hochgerechnet über +700 % p.a. Deshalb blendet cashlog.org extrem hochgerechnete Ausreißer bei unterjährigen Kurzzeiträumen automatisch aus und zeigt für das laufende Kalenderjahr klar an, ob es sich um eine hochgerechnete Jahresrate handelt.
  • Warum weicht Excel manchmal von der Depot-XIRR ab? In Excel vergisst man leicht Quellensteuern, Ordergebühren, Stückzinsen beim Anleihekauf oder rechnet USD-Dividenden mit dem heutigen Wechselkurs statt mit dem historischen EZB-Kurs am Zahltag um. In cashlog.org wird jede Buchung automatisch mit dem historischen EZB-Referenzkurs des Buchungstages in Euro verankert.

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