Sharpe Ratio einfach erklärt: Wurde dein Risiko fair belohnt?

10 % Jahresrendite klingen gut — aber war es eine ruhige Fahrt mit Qualitätsaktien und Anleihen oder eine Achterbahn mit 35 % Schwankung? Die Sharpe Ratio liefert die objektive Antwort.

1. Was die Sharpe Ratio misst — und warum Rendite allein blind ist

Zwei Anleger erzielen im selben Jahr +9,0 % Rendite. Anleger A hält ein ausgewogenes Portfolio aus Welt-ETF und Unternehmensanleihen, das im Jahresverlauf kaum schwankt. Anleger B wettet auf hochvolatile Tech-Einzelwerte, liegt zwischendurch −28 % im Minus und rettet sich erst im Dezember auf +9,0 %.

Ein reiner Renditevergleich sagt: „Beide sind gleich gut.“ Die 1966 von Nobelpreisträger William F. Sharpe entwickelte Sharpe Ratio fragt dagegen:

  • Wie viel Überrendite (Excess Return) hast du über einem schwankungsfreien Tagesgeld- oder Festgeldzins (z. B. 3,0 % p.a.) verdient?
  • Und durch wie viel Kursschwankung (Volatilität) musstest du diese Überrendite „erkaufen“?

2. Die mathematische Formel & Annualisierung (√252)

Sharpe Ratio = (R_p − R_f) / σ_p

  • R_p (Portfolio-Rendite p.a.): Die annualisierte zeitgewichtete Rendite (TWR) deines Portfolios im gewählten Zeitraum.
  • R_f (Risk-Free Rate / risikofreier Zins p.a.): Dein Vergleichszins für sicheres Kapital (z. B. 3,0 % p.a. für Tagesgeld/Festgeld oder kurzlaufende Staatsanleihen; in cashlog.org frei einstellbar).
  • σ_p (Annualisierte Volatilität p.a.): Die Standardabweichung der täglichen Portfolio-Renditen σ_täglich, hochgerechnet auf ein Börsenjahr mit 252 Handelstagen: σ_p = σ_täglich × √252.

Wichtig für Sparpläne & Zukäufe: Würde man einfach die Euro-Schwankung des Gesamtwerts nehmen, würde jede Einzahlung von 2.000 € wie ein Kurssprung aussehen. Deshalb berechnet cashlog.org die Volatilität streng aus den cashflow-bereinigten TWR-Tagesschritten.

3. Durchgerechnetes Vergleichsbeispiel: Depot A vs. Depot B

Angenommen, sicheres Festgeld bringt aktuell R_f = 3,00 % p.a. Vergleichen wir zwei reale Portfolios über ein Jahr:

Kennzahl Depot A: Welt-ETF + Anleihen Depot B: Einzelaktien-Wette
Portfolio-Rendite (R_p) +9,50 % p.a. +11,00 % p.a.
Risikofreier Vergleichszins (R_f) 3,00 % p.a. 3,00 % p.a.
Überrendite über Festgeld (R_p − R_f) +6,50 % +8,00 %
Annualisierte Volatilität (σ_p) 8,00 % (ruhiger Verlauf) 25,00 % (hohe Ausschläge)
Rechnung 6,50 % ÷ 8,00 % 8,00 % ÷ 25,00 %
Sharpe Ratio 0,81 (Stark) 0,32 (Schwach)

Interpretation: Obwohl Depot B nominal 1,5 Prozentpunkte mehr Rendite erzielt hat, musste es dafür mehr als das Dreifache an Schwankungsrisiko eingehen. Pro Einheit Risiko war Depot A (Sharpe 0,81) mehr als doppelt so effizient wie Depot B (Sharpe 0,32).

4. Einordnung & Ampel-Skala in cashlog.org

Sharpe-Wert Ampel Was das für dein Portfolio bedeutet
< 0,0 Rot Deine Rendite lag unter dem Festgeld-/Tagesgeld-Vergleichszins — du hast Schwankungsrisiko getragen, ohne dafür gegenüber dem sicheren Zins entschädigt zu werden.
0,0 bis 0,5 Gelb Du hast den sicheren Zins geschlagen, aber die Kursschwankungen waren im Verhältnis zur Mehrrendite hoch.
0,5 bis 1,0 Hellgrün Solide bis gute risikobereinigte Performance — typischer Zielkorridor breit diversifizierter Aktien-/Mischportfolios über mehrere Jahre.
> 1,0 Dunkelgrün Hervorragendes Rendite-Risiko-Verhältnis: Hohe Überrendite bei vergleichsweise ruhiger Wertentwicklung.

Im Reiter Performance von cashlog.org übersetzt die App deine aktuelle Sharpe Ratio zusätzlich in einen verständlichen Klartext-Satz und erlaubt dir, den risikofreien Referenzzins (Standard: 3,0 %) jederzeit an dein aktuelles Tagesgeld-Angebot anzupassen.

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