Broker-Kurs vs. echte Rendite: Was die Depot-Anzeige verschweigt

Warum ein Blick auf die grüne oder rote Prozentzahl in deiner Broker-App fast nie zeigt, wie sich dein Euro-Vermögen inklusive Dividenden, Kupons, Gebühren und Wechselkursen tatsächlich verzinst hat.

1. Die 5 blinden Flecken fast jeder Broker-Depotanzeige

Klassische Depotbanken (Flatex, Sparkasse, Raiffeisen, Comdirect, ING) und Neobroker (Trade Republic, Scalable Capital) sind rechtlich und technisch auf die Bestandsführung der aktuell noch gehaltenen Stücke ausgelegt — nicht auf eine finanzmathematische Gesamtrechnung deines Kapitals:

  • Ausgezahlte Dividenden & Anleihen-Kupons verschwinden: Sobald eine Ausschüttung auf deinem Verrechnungskonto landet, ist sie aus der Positionszeile des Wertpapiers weg. Eine Aktie mit 0 % Kursbewegung, die über 5 Jahre je 5 % Dividende gezahlt hat, steht im Broker bei ±0,0 %.
  • Keine Zeitgewichtung (1 Monat vs. 8 Jahre): +12 % Kursgewinn in 4 Monaten sind hervorragende +40 % p.a. Dieselben +12 % nach 8 Jahren Haltedauer sind nur +1,43 % p.a. (weniger als die Inflation). Die Broker-Prozentzahl unterscheidet das nicht.
  • Fremdwährungs-Verzerrung (USD, CHF, GBP): US-Aktien oder USD-notierte ETFs hängen für Euro-Anleger zu 100 % vom Wechselkurs am Kauf- und Verkaufstag ab.
  • Teilverkäufe & FIFO-Einstandskurse: Verkaufst du die Hälfte einer Position mit Gewinn, passt die Bank den Einstandskurs der Reststücke nach Steuer-FIFO an. Die angezeigte Prozentzahl der Restposition sagt nichts mehr über den Gesamterfolg deines Investments aus.
  • Ordergebühren, Spreads & Stückzinsen: Beim Kauf gezahlte Stückzinsen einer Anleihe oder hohe Fremdspesen mindern deinen Nettogewinn, fehlen aber oft im reinen Kursvergleich.

2. Die exakte Formel: Kursrendite vs. Währungseffekt (EUR/USD)

Wenn du als Euro-Anleger ein Wertpapier kaufst, das in US-Dollar (USD) oder Schweizer Franken (CHF) notiert, wirken zwei Effekte gleichzeitig — und zwar multiplikativ, nicht bloß additiv:

(1 + r_EUR) = (1 + r_Lokalwährung) × (FX_Kauf / FX_Bewertung)
  • FX in Mengennotierung (EZB-Standard): Wie viele USD erhält man für 1 EUR (z. B. 1 EUR = 1,10 USD beim Kauf und 1 EUR = 1,05 USD ein Jahr später).
  • Fällt der EUR/USD-Kurs von 1,10 auf 1,05, ist der US-Dollar stärker geworden: Jeder Dollar im Depot ist beim Rücktausch in Euro um 1,10 / 1,05 − 1 = +4,76 % mehr wert.
  • Steigt der EUR/USD-Kurs von 1,05 auf 1,15, ist der US-Dollar schwächer geworden: Der Währungseffekt kostet dich 1,05 / 1,15 − 1 = −8,70 % in Euro.

3. Durchgerechnetes Praxisbeispiel: World-ETF in USD (Fall A & Fall B)

Du kaufst am 15.01.2025 einen ausschüttenden MSCI-World-ETF im Gegenwert von 10.000,00 USD. Der Kurs in USD steigt innerhalb eines Jahres um exakt +8,00 % auf 10.800,00 USD, zusätzlich erhältst du am Jahresende 200,00 USD Dividende. Schauen wir uns an, was bei zwei unterschiedlichen Dollar-Entwicklungen auf deinem Euro-Konto passiert:

Position / Vorgang Werte in USD (Lokal) Fall A: Dollar wird stärker
(EUR/USD 1,10 → 1,05)
Fall B: Dollar wird schwächer
(EUR/USD 1,05 → 1,12)
15.01.2025 — Kauf (10.000 $) −10.000,00 $ −9.090,91 € (bei 1,10) −9.523,81 € (bei 1,05)
15.01.2026 — Dividende (200 $) +200,00 $ (+2,0 %) +190,48 € (bei 1,05) +178,57 € (bei 1,12)
15.01.2026 — Depotwert (10.800 $) +10.800,00 $ (+8,0 %) +10.285,71 € (bei 1,05) +9.642,86 € (bei 1,12)
Reine Kursanzeige in USD +8,00 % +8,00 % (blendet FX & Div. aus) +8,00 % (blendet FX & Div. aus)
Tatsächlicher Euro-Gewinn — +1.385,28 € +297,62 €
Echte Euro-Rendite (XIRR p.a.) +10,00 % (in USD) +15,24 % p.a. +3,13 % p.a.

Erkenntnis: Obwohl das Wertpapier in beiden Fällen exakt dieselben +8 % Kursgewinn und 200 $ Dividende geliefert hat, verdient der Euro-Anleger in Fall A +15,24 % p.a. und in Fall B nur +3,13 % p.a. Ohne saubere Trennung von Kurseffekt, Ausschüttung und EZB-Wechselkurs tappt man im Dunkeln.

4. Wie cashlog.org Kurs, Ausschüttungen, Steuern und Währung trennt

  • Jeder Cashflow am echten Kalendertag: Käufe, Teilverkäufe, Dividenden, Kupons, Ordergebühren und Steuern fließen mit ihrem exakten Buchungsdatum in die XIRR-Gleichung (365-Tage-Jahr wie Excel =XINTZINSFUSS) ein.
  • Automatische historische EZB-Referenzkurse: Fehlt auf einem Beleg der Wechselkurs, lädt cashlog.org automatisch den amtlichen EZB-Referenzkurs des Buchungstages — und zeigt dir im Positionsdetail getrennt, wie viel Euro aus dem Wertpapierkurs und wie viel aus der Währung stammen.
  • 1-Klick-Umschalter Brutto vs. Netto (AT / DE / CH): Du siehst sofort, was vor Steuern erwirtschaftet wurde und was nach österreichischer KESt (27,5 %), deutscher Abgeltungsteuer (26,375 %) oder Schweizer Verrechnungssteuer real auf deinem Konto bleibt.

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